Google, Einnahmen, Werbung, Smartworking und … was es sonst noch alles gibt

Im ersten Quartal 2021 hat Google seinen Gewinn fast verdreifacht: 55,31 Milliarden Dollar. Ein Wachstumstrend von +34 %, also 18 Milliarden Dollar. Bei solch eindrucksvollen Zahlen könnte unser Artikel sofort enden. Mit nur zwei Textzeilen.
Gerade diese Zahlen bringen uns dazu, über diesen „digitalen Übergang“ nachzudenken, den wir seit fast einem Jahrzehnt Welt 2.0 nennen:

  • Es ist offensichtlich, man muss nur irgendeine Nachrichtensendung hören: Die Produktivitätsindikatoren aller „realen“ Unternehmen sind negativ. Die Pandemie hat uns oft zu Hause festgehalten. Geselligkeit, Einkäufe, Begegnungen haben abgenommen … wir haben das durch eine stärkere Internetnutzung ausgeglichen.
  • Wir sind alle (oder fast alle) zu Hause. Die Mitarbeiter von Google bilden keine Ausnahme: Dank Smartworking hat Alphabet Holding, die Gesellschaft, zu der Google gehört, im ersten Quartal 2021 ganze 268 Millionen Dollar eingespart. Weniger Reisen, weniger Anwesenheit in den Niederlassungen, weniger Unvorhergesehenes, weniger Kosten.
  • Weniger Ausgaben, mehr Sichtbarkeit im Netz, aber vor allem mehr Werbeeinnahmen. Nicht nur über bezahlte SEO (die hervorgehobene Positionierung in der SERP, der Ergebnisliste einer Suche), sondern auch über „Outbound“-Werbung (Werbespots im reinen Fernsehstil vor den ausgewählten Videos) auf YouTube mit mehr als 6 Milliarden Dollar.
  • Positive Einnahmen, sinkende Kosten. Kennzahlen, denen Investoren auf der ganzen Welt besondere Aufmerksamkeit schenken. Die „Google“-Aktie (Quelle: Il Sole 24 Ore) ist seit Anfang 2021 bis heute um +5,37 % gestiegen. An der Börse regnet es, wie immer, dort am meisten, wo es schon nass ist.

Die Pandemie hat eine außergewöhnliche digitale Beschleunigung ausgelöst: Die großen Akteure des Webs, von Amazon bis Google, von Microsoft bis Facebook, haben ihre Präsenz, Verfügbarkeit und die Aufmerksamkeit ihres Publikums vervielfacht. Gleichzeitig haben sie in einem immer „weniger realen“ Umfeld ihre Betriebskosten gesenkt.

Google, Einnahmen, Werbung, Smartworking:
„Money, money, …“ wie Liza Minnelli singen würde.

Der ständige, zwanghafte und höchst persönliche Zugriff auf unsere PCs und Smartphones verbindet sich mit einer dezentralisierten und zugleich zentralisierten Verwaltung vieler Dienste: Wenn ich online „kaufe“, gehe ich immer zu …, wenn ich online „suche“, gehe ich immer zu …, wenn ich mich online informieren will, gehe ich immer zu … .

Ein Informationskurzschluss, der ständig Energie von seinen eigenen Cyberkunden aufnimmt.

Vor einigen Wochen machte ein großes Frachtschiff, das im Suezkanal festsaß, allen ein Paradoxon der „realen Welt“ deutlich: Viele Schiffe haben nur einen einzigen Durchgangspunkt, um bestimmte Orte zu erreichen, oder jedenfalls nur einen einzigen Durchgangspunkt, dessen Fahrzeiten und Kosten vernünftig sind. Wir fragten uns, wie eine solche „Lock-in“-Situation im 21. Jahrhundert möglich sein kann.

Aber nur wenige von uns fragten sich in denselben Tagen, warum in der entsprechenden virtuellen Welt den zahlreichen „virtuellen“ Suezkanälen im Netz niemals die gebührende Aufmerksamkeit geschenkt wurde.

Unter ihnen ist Google der „Suezkanal“ der Information und des Wissens. Jede Suche im Netz führt zuerst über Google und seine Ergebnisliste.

Die Kluft zwischen digital und real zeigt sich auf viele verschiedene Arten:

  • Die Kluft bei Wachstum und Produktivität zwischen digitalen und realen Unternehmen. Daraus ergibt sich eine starke wirtschaftliche und finanzielle Ungleichheit.
  • Die Möglichkeit, Smartworking zu betreiben und die realen Kosten für Online-Unternehmen zu senken.
  • Die Verlagerung der Werbeflächen von traditionellen Medien ins Web.
  • Die immer stärkere Bindung, vielleicht sollte man eher Abhängigkeit sagen, an das Web von Milliarden Menschen überall auf der Welt.
  • Das Wachstum von Dynamiken sozialer Kommunikation, persönlicher Selbstdarstellung, Online-Käufen und Online-Buchungen durch viele, sehr viele Cybernutzer.
  • Die Entstehung neuer Berufsbilder im Web, nicht nur technischer oder informatikspezifischer Art. In den letzten Jahren sind Dutzende und Aberdutzende neuer Berufe entstanden…
  • Der Rückgang der Nachfrage nach traditionellen Arbeitsplätzen, ein Phänomen, das lange vor der Pandemie begonnen hat.

Wir sind sicher, dass mit dem Ende der Pandemie, das wir uns so bald wie möglich wünschen, ein Teil dieser Indikatoren in die „reale Welt“ zurückkehren wird; wir erwarten eine Art Neustart.

Doch die „new normal“, die neue Normalität, wird auch langfristig durch zahlreiche Faktoren einer digitalen wirtschaftlichen und sozialen Transformation gekennzeichnet sein. Faktoren, die erhebliche Auswirkungen auf die Arbeitswelt und die soziale Stabilität haben werden.

Digitale Dienste genießen die Gunst des Publikums (vielmehr ist das Publikum von ihnen abhängig), haben keine räumlichen oder zeitlichen Beschränkungen, sind hinsichtlich Kosten und Produktivität nachhaltig, sind supranational und bisher nur minimal reguliert. Sie sind leicht, sie sind in der Cloud, sie sind immer verfügbar und waren nicht von den Einschränkungen der Pandemie betroffen.

Wir alle haben einen Kühlschrank und werden, solange er nicht kaputtgeht, keinen neuen kaufen. Viele von uns haben ein Auto und werden ohne einen gut bezahlten und sicheren Arbeitsplatz kaum ein neues kaufen.

Aber alle verspüren täglich das Bedürfnis, ins Netz zu gehen: Suchen, Inhalte, Videos, News, Posts, Chats, Hashtags, Veranstaltungen zu „konsumieren“ … und folglich immer häufiger online greifbare Güter zu kaufen, die uns gerade vom Netz vorgeschlagen werden. Schließlich sind im Web das eigentliche Produkt „wir.

Das 21. Jahrhundert wird als Beginn des web-modernen Zeitalters und der digitalen Gesellschaft in Erinnerung bleiben, die Pandemie als Auslöser dieses unumkehrbaren Digitalisierungsprozesses.

Zurück aus der Welt 2.0? Inzwischen ist das unmöglich.

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